Leitlinie: Koronare Herzkrankheit / Angina pectoris
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Definition
Die koronare Herzkrankheit ist die Manifestation der Atherosklerose an den Herzkranzarterien. Sie ist ein multifaktorielles
Krankheitsbild, das die Herzkranzarterien isoliert oder diffus befällt und unterschiedlich schnell progredient verläuft.
Bedingt durch flußlimitierende Koronarstenosen kommt es zu einem Mißverhältnis von Sauerstoffangebot und -bedarf. Schweregrad
und Dauer der hierdurch hervorgerufenen Ischämie bestimmen die Manifestation in Form von stabiler oder instabiler Angina pectoris,
stummer Myokardischämie, ischämisch bedingter Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und akutem Myokardinfarkt.
Ätiologie und Risikofaktoren
Für eine Reihe von Faktoren, die in einem statistischen Zusammenhang mit der koronaren Herzerkrankung stehen, ist ein kausaler
Zusammenhang wahrscheinlich. Sie können unter dem Gesichtspunkt, ob eine Intervention die Prognose günstig beeinflußt, in vier
Katergorien eingeteilt werden.
- Risikofaktoren, deren Korrektur die Prognose nachweislich günstig beeinflußt: Nikotinkonsum, erhöhtes LDL-Cholesterin,
fettreiche Kost, arterielle Hypertonie, thrombogene Faktoren.
- Risikofaktoren, deren Korrektur die Prognose wahrscheinlich günstig beeinflußt: Körperliche Inaktivität, niedriges
HDL-Cholesterin, Diabetes mellitus, erhöhte Triglyzeride, Übergewicht, Menopause (korrigierbar durch Hormonersatztherapie),
Stress und psychosoziale Faktoren
- Risikofaktoren, deren Beachtung und Korrektur die Prognose möglicherweise günstig beeinflußt, wozu der Nachweis aber noch
aussteht: Lipoprotein (a), Homocystein, oxydativer Stress, Alkoholkarenz, erhöhte Entzündungsparameter wie CRP oder Fibrinogen,
chronische Chlamydien- oder Helicobacter pylori Infektionen.
- Nicht beeinflußbare Risikofaktoren: Alter, männliches Geschlecht, Familienanamnese mit frühzeitiger Manifestation einer
koronaren Herzkranheit, niedriger sozioökonomischer Status.
Neben der Beurteilung einzelner Risikofaktoren muß immer das gesamte kardiovaskuläre Risiko abgeschätzt werden, um die
Notwendigkeit intensiver Beratung und zusätzlicher medikamentöser Therapiemaßnahmen beurteilen zu können. Wenn das 10
Jahres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse 20 % überschreitet, sind intensive Maßnahmen, das heißt in der Regel auch eine
medikamentöse Therapie, zur Verminderung des Risikos angezeigt. In der Regel wird dieser Wert bei Patienten mit manifester
koronarer Herzkrankheit überschritten. Eine gezielte Intervention sollte sich - auch aus Kostengründen - auf die Risikofaktoren der
Kategorie 1 und 2 beschränken. Bei Vorliegen von weiteren Risikofaktoren - auch bei der Kategorie 3 - oder bei einer manifesten
Erkrankung sollte die Intervention besonders konsequent durchgeführt werden.
Bei Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit gelten die Empfehlungen zur umfaßenden Risikoverringerungen für Patienten
mit koronarer Herzkrankheit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung und der European Society of
Cardiology.
Klinisches Bild und Symptome
Die stabile Angina pectoris manifestiert sich in reproduzierbar mit gleicher Intensität auftretenden, anfallsartigen thorakalen,
meist retrosternalen Schmerzen, Enge oder Druckgefühl, teilweise verbunden mit Luftnot oder Angst. Die Schmerzen können in
beide Arme, den Hals, den Unterkiefer, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen und werden durch körperliche oder psychische
Belastung, Kälte oder Windexposition ausgelöst. Die Schmerzen dauern in der Regel wenige Minuten an und bessern sich durch
Ruhe oder Nitroglyzeringabe. Die Stadieneinteilung richtet sich nach der Klassifizierung der Canadian Cardiovascular Society.
Bei der instabilen Angina pectoris treten die Beschwerden mit zunehmender Dauer und Intensität in Ruhe oder bei geringer
Belastung auf. Sie reagieren verzögert auf Nitroglyzerin. Die instabile Angina pectoris kann sich aus der stabilen Form entwickeln. Im
Anfall können ST-T-Veränderungen im EKG auftreten. Geringe Troponin-T- und -I-Anstiege im Serum sind typische
Nachweismarker.
Episoden von stummer Myokardischämie kommen ohne Symptome häufig bei langjährigen Diabetikern oder älteren Patienten, aber
auch im Wechsel mit Phasen von stabiler, symptomatischer Angina vor. Etwa ein Drittel der Patienten mit gesicherter koronarer
Herzkrankheit, vorwiegend Diabetiker, haben solche Ischämien.
Notwendige Untersuchungen bei
Verdacht auf koronare Herzkrankheit / Angina pectoris
Die klinische Untersuchung kann im schweren Angina pectoris Anfall Schmerzzeichen, Schweißausbruch, Blutdruckabfall und
Tachykardie zeigen. Sie ist sonst negativ und dient dem Ausschluß bzw. Nachweis anderer Erkrankungen. Auf Xanthome,
Xanthelasmen, Arcus senilis als Zeichen einer Hypercholesterinämie und auf erhöhten Blutdruck sollte geachtet werden.
Die Anamnese konzentriert sich auf die Risikofaktoren (siehe oben), auslösende Ursachen und die Schmerzcharakteristik.
Laboratoriumsuntersuchungen
Im Nüchternzustand:
Friedewald-Formel, BSG, CRP, kleines Blutbild, Blutzucker, TSH basal. Lipoprotein-(a) sollte einmal bestimmt werden, weil bei
erheblicher Erhöhung die Prophylaxe intensiviert wird. Bei instabiler Angina pectoris: Troponin-T oder Troponin-I, CK,
CK-MB.
Weiterführende Laboruntersuchungen zur Differentialdiagnose sind im Einzelfall:
Entzündungsparameter, Leber- und Nierenretentionswerte, Serumelektrolyte. Zusätzliche Parameter entsprechend der
Differentialdiagnostik (siehe unten).
Das Ruhe-EKG ist im Intervall normal oder uncharakteristisch im ST-T-Bereich verändert. Im Angina pectoris Anfall können
ST-Streckensenkungen, -hebungen und T-Negativierungen auftreten. Pathologische Q-Zacken und R-Verluste oder -Reduk-tionen
sind Zeichen eines alten Infarktes.
Ein Belastungs-EKG mit Blutdruck- und Herzfrequenzmessung ist bei stabiler Angina pectoris indiziert. Ziele sind 1.) der Nachweis
einer Myokardischämie mit und ohne Arrhythmien, 2.) Analyse des Blutdruck- und Herzfrequenzverhaltens sowie 3.) die Beurteilung
der Leistungsgrenze.
Mit der Echokardiographie in Ruhe können regionale und globale Wandbewegungs-störungen, Auswurffraktion, systolische und
diastolische Funktionsstörungen erkannt werden. Andere kardiale Erkrankungen können abgegrenzt werden, weshalb die
Echokardiographie von großer diagnostischer und differentialdiagnostischer Bedeutung ist.
Weiterführende Diagnostik
Bei klinischem Verdacht und negativem Belastungs-EKG ist die Indikation zu weiterführender Diagnostik gegeben.
Die Stress-Echokardiographie erlaubt die Beurteilung der globalen und segmentalen myokardialen Kontraktilität unter dosierter
Belastung. Häufig ist die Zuordnung eines ischämischen Areales zu einem Koronargefäß möglich. Die Belastung erfolgt bei
gleichzeitiger EKG-Schreibung durch Ergometrie, medikamentös durch Dobutamin- oder Dipyridamolgabe, seltener durch
Vorhofstimulation.
Die nuklearmedizinischen Verfahren (Myokardszintigraphie, Radionuklid-Ventrikulo-graphie, Positronemissionstomographie) können
bei bestimmten Fragestellungen ergänzende wichtige Hinweise geben. Der Nachweis von vitalem und die Differenzierung von durch
Ischämie in der Funktion gestörtem, aber noch vitalem Myokard ("stunned" und "hibernating myocardium") sind damit möglich,
ebenso wie mit der Echokardiographie.
Invasive Diagnostik
Die Koronarangiographie mit linksventrikulärer Angiographie erlaubt die selektive, präzise Darstellung der Koronararterien und
von aortokoronaren Bypassen sowie die Beurteilung der regionalen und globalen linksventrikulären Funktion.
Indikationen zur Herzkatheteruntersuchung sind:
Bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit:
- Typische Angina pectoris, besonders bei geringer Belastung
- Instabile Angina pectoris
- Pathologische Belastungsuntersuchung
- Nachgewiesene stumme Ischämie
- Höhergradige ventrikuläre Herzrhythmusstörungen
- Herzinsuffizienz unklarer Ursache
- Unklare, rezidivierende Thoraxschmerzen
Bei bekannter koronarer Herzkrankheit:
- Zunehmende Angina pectoris trotz Medikation
- Postinfarktangina
- Angina pectoris nach Bypass-Operation
- Angina pectoris nach perkutaner Koronarintervention
Eine Herzkatheteruntersuchung ist nicht indiziert, wenn therapeutische Konsequenzen fehlen und in Endstadien schwerer
Grunderkrankungen.
Im Einzelfall mögliche Diagnostik
Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) und computertomographischen Verfahren (z.B. EBT, Ultrafast-CT) können
proximale Koronarabschnitte beurteilt und Koronarkalk nachgewiesen werden. Die im Verdachtsfall nötige Detaildarstellung des
gesamten Koronarsystems ist damit nicht möglich. Der Beweis von perfundierten aortokoronaren Bypassen kann bei einzelnen
Patienten eine Kontrollkoronarographie ersparen, obwohl Bypass- und Koronarstenosen dennoch vorliegen können.
Differentialdiagnose
Bei atypischen Beschwerden und nicht gesicherter koronarer Ursache sind im Einzelfall zahlreiche andere Erkrankungen
auszuschließen. Der diagnostische Aufwand richtet sich nach der Schwere des klinischen Bildes, dem Allgemeinzustand des
Patienten und den zu erwartenden Konsequenzen.
Kardiale Erkrankungen: Akuter Myokardinfarkt (siehe dort), Perimyokarditis, Dressler-Syndrom, supraventrikuläre und
ventrikuläre Tachykardien, hypertensive Krise, Aortenklappenstenose, Mitralklappenprolaps, hypertrophe Kardiomyopathie, dilatative
Kardiomyopathie.
Gefäßerkrankungen: Mit Doppler- und Duplexuntersuchungen können atherosklerotische Manifestationen der Carotis-, der
Bauch-, Becken- und Beinarterien nachgewiesen werden. Es besteht eine enge Korrelation zum Auftreten der koronaren
Herzkrankheit.
Aortale und mediastinale Erkrankungen: Aortendissektion, Mediastinitis, Mediastinaltumore.
Pulmonale Erkrankungen: Lungenembolie, Pneumonie, Pneumothorax, Pleuritis, Tumore, Metastasen.
Erkrankungen der Nerven und des Bewegungsapparates: HWS- und BWS-Syndrom, entzündliche Erkrankungen der HWS und
BWS, Interkostalneuralgie, Gelenkerkrankungen, Tietze-Syndrom, Morbus Zoster, Myalgien, Myositis, Tumor/Metastasen.
Gastrointestinale Erkrankungen: Refluxoesophagitis, Funktionsstörungen des Oesophagus, Oesophagusdivertikel, Achalasie,
Oesophagustumore, Hiatushernie, Gastritis, Ulcus ventriculi/duodeni, Tumore/Metastasen, Römheld-Syndrom, Pankreatitis,
Cholezystitis, Cholangitis, subdiaphragmaler Abszeß, Milzinfarkt.
Vegetative und psychische Erkrankungen: Funktionelle Herzbeschwerden, Panikattacken, wohinter sich primäre Tachykardien
verbergen können.
Eine Röntgenaufnahme des Thorax ist zur Diagnose der koronaren Herzkrankheit nicht notwendig. Sie dient dem Ausschluß anderer
thorakaler Erkrankungen.
Der Einsatz zusätzlicher technischer Maßnahmen wie transoesophageale Echokardiographie, abdominelle Sonographie,
Oesophago-Gastro-Duodenoskopie, Broncho- und Mediastinoskopie, Thorax-CT usw. richtet sich nach dem klinischen Bild und dem
differential-diagnostischen Verdacht im Einzelfall.
Sind organische Erkrankungen ausgeschlossen worden, so besteht der Verdacht auf psycho-somatische Störungen, funktionelle
Herzbeschwerden oder Panikattacken. Dann können psychosomatische oder psychiatrische Untersuchungen notwendig
werden.
Therapie
Basis ist die Elimination der Risikofaktoren Rauchen und Übergewicht sowie die Einstellung von Hypertonie und Diabetes. Ein
Body-Mass-Index von 20 bis 25 kg / m² ist wünschenswert. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Prognose. Ungünstige
psychosoziale Faktoren und Stressbelastungen sollen wenn möglich beseitigt werden.
An diätetischen Maßnahmen empfiehlt sich eine ballaststoffreiche Kost mit möglichst geringem Anteil an ungesättigten Fetten und
geringem Cholesteringehalt. Bei Hypertriglyzeridämie sind Alkoholverzicht, Gewichtsreduktion und Meiden von schnell erschließbaren
Kohlehydraten wichtig.
Bei Personen ohne manifeste koronare Herzkrankheit ist als Primärprävention eine medikamentöse Senkung des
Cholesterinspiegels nur bei weiteren Risikofaktoren und nach Ausschöpfung der nicht-medikamentösen Maßnahmen sinnvoll.
Zielwerte sind dabei: LDL-Cholesterin unter 160 mg/dl, bei zusätzlichen Risikofaktoren: LDL unter 130 mg/dl. Bei Patienten mit
koronarer Herzkrankheit ist das primäre Ziel der Sekundärprävention ein LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl. Sekundäre Ziele sind ein
HDL-Cholesterinwert über 35 mg/dl, ein LDL-/HDL-Quotient von < 2,5 und Triglyzeridwerte unter 200 mg/dl. Für ein erhöhtes
Lipoprotein (a) gibt es keine spezielle Therapie außer der bestmöglichen Absenkung des LDL-Cholesterins.
Die medikamentöse Cholesterinsenkung geschieht vorzugsweise durch CSE-Hemmer, auch durch Fibrate oder Cholestyramin. In
ausgewählten Fällen wird bei familiärer Hyperlipidämie die LDL-Apherese eingesetzt.
Ein moderater Alkoholkonsum (ca. 15 g/Tag) wirkt günstig auf das kardiovaskuläre und das Gesamtrisiko. Höherer Alkoholkonsum (>
30 g/Tag) erhöht die Gesamt-sterblichkeit durch Myokardinsuffizienz, Hypertonie, Schlaganfall, plötzlichen Herztod, Leberzirrhose,
Tumore, Unfälle und Suizide.
Medikamentöse Therapie
Die Basistherapie besteht aus einem Thrombozytenaggregationshemmer (100 mg Acetylsalicylsäure; als Alternative 250 mg
Ticlopidin bei ASS-Unverträglichkeit). Wegen möglicher Blutbildveränderungen sind unter Ticlopidin in den ersten drei Monaten
14-tägig Blutbildkontrollen erforderlich.
Nitrate, Betarezeptorenblocker und lang wirksame Calciumantagonisten werden zur Anfallsprophylaxe alleine oder in Kombination
gegeben. Kurz wirkende Nitrate und Dihydropyridine können zu Hypotonien und Reflextachykardien führen. Betablocker in
Verbindung mit Diltiazem oder Verapamil können die negativ inotrope und dromotrope Wirkung potenzieren. Aufgrund der
spezifischen Nebenwirkungen der einzelnen Substanzklassen ist eine individuelle Therapie nötig. Im akuten Angina pectoris Anfall
werden Nitrate sublingual appliziert.
Die instabile Angina pectoris erfordert die stationäre Behandlung. Die medikamentöse Basistherapie entspricht der bei stabiler
Angina pectoris. Heparin und niedermolekulare Heparine werden zusätzlich gegeben. Die Gabe von Glycoprotein IIb/IIIa
Rezeptorantagonisten kann sinnvoll sein, wobei eine begleitende Heparingabe reduziert werden muß, um Blutungen zu vermeiden
(aPTT <= 60 s).
Invasive, interventionelle Therapie
Die Entscheidung für eine Koronarintervention oder eine aortokoronare Bypass-Operation muß individuell nach dem Ergebnis einer
Koronarographie und der Gesamtsituation erfolgen. Ein Ischämienachweis und/oder Angina pectoris Symptome sollten vorliegen.
Die Indikation zur Koronarintervention richtet sich nach Anzahl, Lage und Morphologie der Stenosen, linksventrikulärer Funktion,
Symptomatik, Ischämiezeichen und Prognose des Patienten. Es müssen signifikante Stenosen (> 70 % Gefäßdurchmesser) eines
oder mehrerer Koronargefäße vorliegen, die ein relevantes Myokardareal versorgen. Bei Dreigefäßerkrankungen und/oder
hochgradig eingeschränkter linksventrikulärer Funktion ist eine Koronardilatation mit erhöhtem Risiko möglich. Bei nicht durch
Bypässe geschützten
Hauptstammstenosen oder Hauptstammäquivalenten ist eine Intervention in der Regel kontraindiziert. Neben der Ballondilatation
können je nach individueller Koronarmorphologie und Erfahrung des Operateurs weitere Verfahren wie Rotablationsangioplastie,
Atherektomie, Ultraschallangioplastie und Lasertechniken zum Einsatz kommen.
Die Patienten müssen über die interventionellen und alternativen Therapiemöglichkeiten, eventuelle Risiken und das operative
Stand-by aufklärt werden.
Die Rezidivrate nach alleiniger Ballonangioplastie liegt bei stabiler Angina pectoris bei 30 bis 40 %, bei instabiler Angina pectoris bei
40 bis 50 %, bei rekanalisierten Verschlüssen bei 50 %. Die gleichzeitige Implantation von intrakoronaren Stents reduziert diese
Rezidivraten um jeweils etwa 10 %. Die Stents sichern bei ungünstigem Dilatationsergebnis oder Dissektionen (Bail - out - stents) die
Koronarperfusion und reduzieren die Zahl der erforderlichen Notoperationen. Alle Koronarinterventionen müssen unter
abgesprochenem, kardiochirurgischem Stand-by erfolgen. Die Patienten müssen anschließend für mindestens 24 Stunden sorgfältig
überwacht werden. Bei instabiler Angina pectoris und in Risikosituationen ist für eine Koronarintervention strikte OP-Bereitschaft
nötig.
Operative Therapie
Die chirurgische Behandlung mit aortokoronarer Bypass-Operation setzt eine medikamentös nicht ausreichend behandelbare Angina
pectoris oder eine instabile Angina pectoris voraus. Patienten mit linker Hauptstammstenose >= 50 %, Mehrgefäßerkrankungen,
insbesondere mit deutlich eingeschränkter linksventrikulärer Funktion, sollten primär dem Herzchirurgen vorgestellt werden. Die
chirurgische Technik und die erweiterte Indikation richten sich nach dem individuellen Krankheitsbild (siehe Leitlinie "Koronarsklerose"
der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie).
Körperlich-sportliche Betätigung:
Regelmäßige körperliche Aktivität, auch im mittleren Alter neu aufgenommen, führt zu einer Verbesserung der Prognose von
Normalpersonen und Koronarpatienten. Ein zusätzlicher Kalorienverbrauch von mehr als 2.100 kcal/Woche begünstigt die
Regression der koronaren Herzkrankheit. Ausdauersportarten sind gegenüber Schnellkraft- oder Kraftsportarten zu bevorzugen. In
Herzgruppen wird unter fachkundiger Beobachtung individuell angepaßt geübt.
Kontrolluntersuchungen
Bei Patienten mit bekannter koronarer Herzkrankheit sind einmal jährlich Belastungs-EKG- und echokardiographische
Untersuchungen notwendig, bei Symptomänderungen möglichst umgehend.
Zur Verlaufskontrolle der Hyperlipidämie ist die Kontrolle des Gesamtcholesterins, des LDL, des HDL und der Triglyzeride einmal
jährlich ausreichend.
Was ist ambulant möglich?
Bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit und stabile Angina pectoris können alle nicht-invasiven Untersuchungen und die
medikamentöse Einstellung ambulant vorgenommen werden.
Eine diagnostische Herzkatheteruntersuchung ist ebenfalls ambulant oder tagesklinisch möglich. Bei Risikopatienten ist dazu in der
Regel wegen erhöhter Komplikationsraten eine stationäre Aufnahme nötig.
Besondere Risiken einer Herzkatheteruntersuchung bestehen bei folgenden Erkrankungen:
- Hohes Risiko für Gefäßkomplikationen
- Künstliche Herzklappen
- Auswurffraktion < 35 %, Hypoxämie, Kreatinin > 2 mg/dl
- Antikoagulantientherapie, Blutungsdiathesen
- Unkontrollierter arterieller oder pulmonaler Hochdruck
- Schlecht eingestellter Diabetes mellitus
- Corticoid-Medikation
- Bekannte Kontrastmittelallergie
- Schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankung
- Schlaganfall vor < 1 Monat
- Ischämie bei geringer Belastung
- Weite Entfernung vom Wohnort (> eine Stunde)
Was sollte stationär erfolgen?
Patienten mit instabiler Angina pectoris müssen stationär, in der Regel zunächst auf eine Intensivstation aufgenommen werden. Bei
alten oder multimorbiden Patienten mit stabiler Angina pectoris oder solchen mit erheblicher Symptomatik kann die medikamentöse
Einstellung stationär notwendig werden. Alle Koronarinterventionen erfordern die stationäre Aufnahme der Patienten und mindestens
eine Überwachung über die Nacht. . Bei Patienten mit bekannter oder fraglicher Kontrastmittelüberempfindlichkeit sollen auch
diagnostische Herzkatheteruntersuchungen stationär unter Überwachung erfolgen.
Bei Patienten mit plötzlich aufgetretenen, starken thorakalen Beschwerden und unklarer Ätiologie ist wegen der potentiellen
Gefährdung (Aortendissektion, Myokardinfarkt, Karditis, Lungenembolie usw.) die stationäre Aufnahme obligatorisch.
Verfahren zur Konsensusbildung
Diese Leitlinie wurde erarbeitet von Mitgliedern des Vorstandes und der Kommission für Klinische Kardiologie der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung:
Prof. Dr. med. J. Meyer, Mainz (federführend)
Prof. Dr. med. G. Breithardt, Münster
Prof. Dr. med. R. Erbel, Essen
Prof. Dr. med. E. Erdmann, Köln
Prof. Dr. med. H. Gohlke, Bad Krozingen
Prof. Dr. med. P. Hanrath, Aachen
Dr. med. F. Sonntag, Henstedt-Rhen
Prof. Dr. med. G. Steinbeck, München
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