Cardio News, 26.09.2003, Nr. 9, S. 3

Nach dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR) in Berlin
Rehabilitationsmedizin sieht sich herausgefordert


Prof. Klaus Held

Die DGPR sieht sich angesichts der Sparmaßnahmen im Gesundheitwesen, die die kardiologische Rehabilitation treffen, herausgefordert.
In einer Stellungnahme (Internet: www.cardionews.de) werden Personalabbau, Leistungseinschränkungen und Pflegesatzabsenkung als düsteres Zukunftsszenario skizziert. Rainer Klawki von den Cardio News fragte bei Professor Held nach.

Cardio News: Wie sieht die DGPR-Spitze nach ihrer Jahrestagung in Berlin die Zukunft der kardiologischen Rehabilitation?
Prof. Held: Der Bedarf wird durch die Altersentwicklung und im Gefolge der DRG steigen. Die Indikationen zur Reha werden durch die Differenzierung des Infarkts in STEMI/NSTEMI beeinflusst, die chronische Herzinsuffizienz wird als Reha-Indikation zunehmend Bedeutung gewinnen. Die gute Zusammenarbeit mit der Akut-Kardiologie wird sich weiter festigen, die Nachsorge muss im Interesse einer integrierten Versorgung weiter verbessert werden.
Demgegenüber stehen Sparmaßnahmen, die den bisherigen Leistungsumfang der Rehabilitation zunehmend gefährden.

Cardio News: Wie soll in der kardiologischen Rehabilitation in Zukunft die weltweit anerkannt gute Qualität sichergestellt werden?
Prof. Held: Mit der gemeinsam mit der DGK erarbeiteten Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der
chronischen KHK wurde erstmalig eine Evidenz-basierte Leitlinie vorgelegt, die Sektor-übergreifend Kriterien einer integrierten Versorgung dieser chronisch Kranken festlegt. Sie findet Eingang in die
gerade entstehende Nationale Versorgungsleitlinie und hat das jüngst verabschiedete DMP KHK stark geprägt. Darüber hinaus entstehen derzeit Reha-spezifische Leitlinien, die zu einer weiteren Verbesserung der Prozess- und Ergebnisqualität führen werden.

Cardio News: Was ist unter einer „Reha light“ zu verstehen – welchen Konsequenzen sind zu erwarten?
Prof. Held: Mit diesem Unwort, das genauso absurd ist, wie etwa eine „Light-Variante“ der Infarktbehandlung oder einer „Herzoperation light“ sollen Tendenzen zu einer qualitativ und quantitativ abgespeckten Rehabilitation karikiert werden. Abstriche von einer Evidenz-basierten Rehabilitation führen zu einem Qualitätsverlust – zum unmittelbaren Schaden des Patienten, aber auch zu mittelfristigen Nachteilen des Gesundheitssystems.

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